Ein Blick auf die musikalische Arbeit in Freien Waldorfschule Rendsburg
Es ist schon fast eine Binsenweisheit, dass der künstlerische Unterricht und damit auch der Musikunterricht an einer Waldorfschule eine ganz zentrale Stelle einnimmt. Im Folgenden soll nun unter Berücksichtigung der Altersstufen ein Blick auf diese Arbeit geworfen werden.
In den ersten Schuljahren haben wir es mit Kindern zu tun, die ganz deutlich im Bewegungsmäßigen leben. Das Verhältnis des Kindes zur Welt ist noch ganz anders, als das des Erwachsenen. Das Kind schaut die Welt nicht von aussen an, sondern ist ganz in dem darinnen, was es sieht. Alle Tätigkeiten ergreift es unmittelbar. Im Musikunterricht dieser Altersstufe geht es vornehmlich darum, diesen natürlichen Bewegungsdrang aufzugreifen und allmählich zu einer mehr inneren Bewegung überzuführen. Melodien werden nicht nur gesungen, sondern bildhaft in Gesten beschrieben. So wird das Musik-Erleben, welches ja eine innere, seelische Bewegung darstellt, vorbereitet. In den Klassen vier bis sechs wird nun versucht, die Kinder an das praktische Musizieren heranzuführen. Wachsende Fingerfertigkeit am jeweiligen Instrument und entsprechende Sicherheit im Umgang mit der Singstimme sind das Ziel. Es geht jetzt darum, das jeweilige Lied oder Musikstück adäquat auszuführen. Die richtige Tonlänge, die Pausen, ja auch das lauter und leiser werden und nicht zuletzt die saubere Intonation werden jetzt geschult. Dieses Musizieren steigert sich in der Mittelstufe dahingehend, dass bereits größere Werke erarbeitet und auch anfänglich reflektiert wird. Man denke an Balladen, Opern und mehrstimmige Chor- und Instrumentalsätze.
In der ausgehenden Mittelstufe und vor allem dann in der Oberstufe kommt nun ein weiterer, wichtiger Aspekt hinzu. Die Urteilsfähigkeit soll nun analog zu anderen wissenschaftlichen Fächern auch im Musikalischen geübt werden. Wie darf man sich dies vorstellen? Nach wie vor wird in der Regel vom intensiven, praktischen Musizieren ausgegangen. Mit Hilfe des Klavieres, der Singstimme und verschiedenster Instrumente versucht man sich die Musik zu erschließen. Die musikalische Erfahrung und das Erlebnis geht es dann darum, die Komposition tiefer zu verstehen. Hierbei spielt der phänomenologische Ansatz eine ganz zentrale Rolle.



